MISSOURI: Coming Down The Hill With A Picturesque View (Micropal 2008)

Nach den Countryanfängen zu zweit, über die Experimentierphase hin zur Vier-Mann-Voodoo-Ära über Kollaborationen bis zur groovenden Soulplatte.
Und von da an spielte Missouri das erste Mal live mit Schagzeug und Bass. Mit 6 Leuten also. Die Auftritte waren so überzeugend, dass die beiden Livemusiker (Andreas Voß und Patrick Göbel) zu neuen Aufnahmen ins bandeigene-Lonestar-Studio eingeladen wurden. Da nun aber 6 Leute aktiv am Enstehungsprozeß der Songs beteiligt waren, brauchte man einen ganz neuen Ansatz.
Also ging die Band blank ins Studio, arbeitete mittags eine Idee aus, nahm sie nachmittags auf und abends wurde eingesungen und der Song vollendet. Nach einiger Zeit stieß mit Alex Sticht ein alter Bekannter dazu, der Percussion spielte und mitsang.
Das Ergebnis sind (neben chronischer Tablettenabhängigkeit, kaputten Freundschaften, einem Wireless-Netz im Studio, diversen neuen Rechnern...) 10 Pop Songs, die aus dem Nichts enstanden und durch 7 Musiker zu unsterblichen Missouri Hymnen geworden sind.(Hört euch nur mal "Barcelona Sunrise" an.) Und durch euch natürlich.
"Love is here, love is here, it shines brighter than the Brighton Pier. And if the Barcelona Sunrise is a blast, then to love you, baby is a must."

Die alte Missouri-Strategie etwas Gutes nie zweimal anzufassen und Altes ruhen zu lassen hat sich mit diesem Konzept wieder bestätigt. 10 intensive Songs, die mehr Pop intus haben als Missouri je zuvor. Aus den ersten Platten haben sie ihren eigenen Stil heraus gesogen: Voodoo, Soul und kryptische sowie romantische Lyrics, die sich dieses Mal übrigens um eine fiktive Band drehen, die Höhen und Tiefen im modernen Musikgeschäft durchläuft.
Konzeptalbum also? Klar, warum nicht. Das Konzept mit 7 Leuten einen Song aus dem Nichts zu kreieren, der im modernen Popbiz Bestand hat. Selbstironisch wie immer, mit Haken und Kanten und vielen Zitaten aus der Musikgeschichte. Zum Beispiel ist "The Sleighride" deutlich an NEU! angelehnt, "Revisited" stellt Billy Joel in ein anderes Licht und "Bands Missing in Action" hat nicht nur viel vom Meters Flair geschnuppert sondern sorgt sich auch gleich noch um den Verbleib der Selbigen. Stellvertretend für alle Bands, jede geht schließlich irgendwann mal verloren.
"Summer Festival" ist die vertonte Geschichte einer befreundeten Band auf eben diesem.
Also eigentlich alles wie immer: Missouri in immer neuem Gewand. Und eben doch Missouri. (Umso erstaunlicher, schließlich waren 7 Leute mit verschiedenstem Musikverständnis beteiligt.)

Ein Anderes ist auch das Label. Den langjährigen und guten Freunde von Micropal gefiel die Idee ein Tondokument aus diesem Zeitdokument zu schaffen genauso gut wie Missouri. Vielen Dank dafür!

Missouri sind auf dieser Platte: Red, Frank Mollena, Wuschi Ebert, Carter Cain, Andreas Voß, Patrick Göbel und Alex Sticht. Die weibliche Stimme bei einigen Songs heißt Nina Kränsel.
Alle Songs sind von Missouri selbst gespielt und aufgenommen worden. Gemischt von Frank Mollena im Lonestar-Studio Nürnberg und gemastert von Peter Heider bei Purecuts.
Cover gemacht von Red und Steffi Kohl.

Label: www.micropalrec.com
USA: www.bluedisguise.com / www.artoffact.com
Booking: www.truemmerpromotion.de
Band: www.missourimusic.de / www.myspace.com/missourimusic
Lonestar Recording Unit: lonestar@missourimusic.de

Missouri gibt keine Interviews!
Peace


Tino Hanekamp, Chef des "Übel & Gefährlich" in Hamburg sagt über "Coming Down The Hill With A Picturesque View":

Irre, die entpuppen sich schon wieder. Diesmal als Groovemonster mit breitem
Kragen an der braunen Lederjacke, im Straßenkreuzer wippend, Fahrt ins
Blaue. Missouri sind wieder weiter, will man natürlich mit. Vom Voodoo auf
die Autobahn in den Sonnenuntergang. Oder so. Wahnsinnig elegant abgehangen,
cool im besten Sinne und dabei warm, das ist der Soul. Gibt immer noch
nichts Vergleichbares und wenig, was einen derart beglückt.


Und Rembert Stiewe, den hoffentlich alle durch Glitterhouse und das OBS kennen sagt:

Ich versuche mir gerade den Missouri-Test vorzustellen. Gesetzt den Fall, ich wäre nicht mit ihrer musikalischen Entwicklung vertraut und du würdest mir jetzt gleich ihr Debüt von anno tobak vorspielen, „It’s a Glow-In-The-Dark Good Time“, bisschen sperrig und stoisch noch und - zumindest in meiner Erinnerung - auslaufendem Lebensekel geschuldet.
Danach käme dann dieses beschwingte Biest von groovender Supersau, das neue Missouri-Album „Coming Down the Hill With A Picturesque View“ um die Ecke. Ehrlich, ich würde einen von Winona Ryder warm gesessenen Barhocker darauf wetten, dass es da unmöglich um dieselbe Band gehen kann. Kann ja gar nicht sein.
Ist aber so. Zwischen da und dort gab es gar eine fast natürlich und logisch verlaufende Entwicklung. „To The Darkened Corners Here We Go”, das rohe, fast trotzige zweite Album. Dann „In Voodoorama“, das erstmals Groove einführte und schwüle Hitze transportierte. Für „Run With The People And Hunt With The Hare” dann fand Tino Hahnekamp die so treffenden Worte: „Diese Lässigkeit in den Liedern ist eine durchs unbedingt gelebte Leben gewordene Lässigkeit. Hier wird Hedonismus gelebt, weil man die Selbstfixierung hinter sich hat und den Kopf frei. Das ist der an der Bar lehnende Typ mit den Leidensfalten um den Mund, der ohne um sich zu sehen mit seinem Drink in der Hand zur Tanzfläche schlendert. Das ist Michael Caine als Marvin Gaye. Discomusik für Existenzialisten. Geht nach vorn und dabei ganz tief rein. Was der Autor sagen will: Das neue Missouri-Album ist saucooler Scheiß.“
„Coming Down The Hill With A Picturesque View“ ist nicht weniger als das, ist die endgültige Ausformung eines Musikverständnisses, das grübelnde, snobistische Erbsenzähler so selten zulassen. Der beschwingte, enorm leichte, von Selbstzweifeln, von Kümmernissen oder Weltzorn nicht aufzuhaltende Groove. Tanzen, den Hintern in Gang setzen, einfach so. Genau, Tino, „geht nach vorn und dabei ganz tief rein“. Verblüffend fast, dass das so naheliegend und natürlich ist. Denn hier, in Deutschland, müsste doch wohl jeder, dessen Seele nicht bereits an RTL verkauft ist, wenn von Groove und Funk und Soul die Rede ist, an jämmerliches Muckertum auf Stadtfestbühnen denken. Oder eben neuerdings an die stilvolle, hedonistische Sause, die Missouri in Gang setzen. Die auch textlich einen Abstand zu sich selbst zeigt, der fast sprachlos macht. Die den „Barcelona Sunrise“ besingt, die gar Bandalltag pointiert thematisiert, die keine Scheu davor hat, zwischendurch „My Hard On“ genannt zu werden. So etwas wird heute leider kaum noch gebaut.
Das ist bewegend, weil es bewegt. Im wahrsten Sinne. Missouri bitten zum Tanz, endgültig.


So, und jetzt ihr...


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